Vom KaDeWe bis "jwd" - Interview mit Karola Kronheim

von AWO Südwest

Am 11. Mai durfte der Lwerk-Kurier Frau Karola Kronheim, Vorsitzende des Kreisverbands Berlin-Südwest der Arbeiterwohlfahrt (AWO), in ihren Räumen im Reinhold-Voht-Haus in der Osdorfer Straße 121 für ein Interview besuchen:

Frau Kronheim, seit wann gibt es die Arbeiterwohlfahrt?

Ursprünglich gegründet wurde die AWO 1919 von Frau Marie Juchacz. Durch die Einrichtung von Nähstuben, Mittagstischen, Werkstätten zur Selbsthilfe und Beratungsstellen versuchte sie, nach dem Ersten Weltkrieg die größte Not zu lindern.
Während der Nazi-Zeit wurde versucht, die AWO auf das Wertesystem des Nationalsozialismus einzuschwören. Als das nicht gelang, wurde die Arbeiterwohlfahrt aufgelöst und verboten. Einige Mitglieder arbeiteten unter Lebensgefahr weiter und retteten zum Beispiel von den Nazis Verfolgte.
1946 wurde die AWO neugegründet und besteht seitdem in der Bundesrepublik und Westberlin durchgängig. In der sowjetischen Besatzungszone und später in der DDR war die AWO nicht erlaubt. Seit der Wiedervereinigung ist die Arbeiterwohlfahrt im gesamten Bundesgebiet tätig.

Seit wann gibt es den Kreisverband Südwest?

Den Kreisverband in der jetzigen Form gibt es erst seit 2006. Entstanden ist er durch den Zusammenschluss der Verbände Steglitz-Zehlendorf und Tempelhof-Schöneberg – ich sage immer: vom KaDeWe bis jwd (scherzhaft für: janz weit draußen). Heute sind wir der größte Kreisverband Berlins mit über 1.500 Mitgliedern.

Seit wann sind Sie Vorsitzende des Kreisverbandes Südwest?

Die Vorsitzende des Kreisverbandes bin ich seit dem Februar 2012, ich war aber davor auch schon 30 Jahre stellvertretende Vorsitzende und insgesamt bin ich nun bereits seit 48 Jahren (seit 1968) Mitglied der AWO; und im Übrigen auch bereits seit 50 Jahren Mitglied in der SPD.

Was sind Ihre Hauptaufgaben?

Ganz wichtig ist natürlich das Anwerben neuer Mitglieder. Außerdem vertrete ich den Kreisverband nach außen und betreue die Mitglieder. Ich besuche die einzelnen Abteilungen, organisiere Veranstaltungen und kümmere mich um die Vorgänge hier in der Osdorfer Straße. Daneben sitze ich einer Abteilung vor, die auch etwa 300 Mitglieder hat. Ansonsten betreue ich auch noch dieses Regionalbüro. Wir haben in jedem ehemaligen Bezirk noch ein Regionalbüro: hier ist das Regionalbüro für Steglitz, in der Goltzstraße 19 das für Schöneberg, in Tempelhof die Spukvilla (Albrechtstraße 110, 12103 Berlin) und unser Kreisbüro ist in Zehlendorf (Mörchinger Straße 116, 14169 Berlin). Das hat den Sinn, dass unsere Mitglieder nicht so weite Wege zum nächsten Ansprechpartner haben.

Ist Ihre Arbeit für die AWO ehrenamtlich?

Im Grunde genommen: ja. Ich bekomme 150 Euro Aufwandsentschädigung im Monat. Auf meine Arbeitszeit umgerechnet bedeutet das einen Stundensatz von etwa 70 Cent.

Das Lwerk ist korporatives Mitglied der Arbeiterwohlfahrt. Was bedeutet das?

Die Arbeiterwohlfahrt ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein, dem man beitreten kann. Mitglieder können natürliche Personen, aber auch Organisationen werden, die dann korporative (von Körperschaft, auch Korporation: Zusammenschluss von Personen zu einem vereinbarten Zweck) Mitglieder heißen. Grundsätzlich kann jede Personen- oder Interessengemeinschaft unabhängig von ihrer Rechtsform der AWO als korporatives Mitglied beitreten. Allerdings nehmen wir nur Initiativen auf, deren Arbeit und Angebote wir mit unseren Grundsätzen vereinbaren können. Die AWO versteht sich als Partner sozialer Initiativen. Wir unterstützen unsere korporativen Mitglieder auf vielfältige Weise und vertreten Ihre Interessen und Ziele auch auf Spitzenverbandsebene, um den berechtigten Anliegen Gehör zu verschaffen.
Hier in unserem Kreisverband haben wir drei korporative Mitglieder: die FSD – Stiftung zur Förderung sozialer Dienste (Gesellschafterin des Lwerk), den Verein „ Steglitzer ambulante soziale Dienste e.V." sowie die BSD – Beratung Soziale Dienste gGmbH, die Eigentümerin dieses Hauses und Betreiberin des Jugendgästehauses Lichterfelde „JuLi" ist.

Sind auch noch andere Werkstätten für behinderte Menschen korporative Mitglieder der AWO?

Ja, in Berlin zum Beispiel die nbw Nordberliner Werkgemeinschaft gGmbH, die auch Gesellschafterin des Lwerk ist, und die Berliner Werkstätten für Behinderte GmbH. Eine Liste aller korporativen Mitglieder findet sich im Internet (https://www.awoberlin.de/Korporative-Mitglieder-843071.html).

Die AWO ist auch Kunde des Lwerk. Welche Leistungen des Lwerk nehmen Sie in Anspruch?

Wir lassen die Zeitung des Kreisverbandes zweimal jährlich vom Lwerk erstellen und wir lassen unseren Garten hier und in der Spukvilla vom Lwerk pflegen.

Möchten Sie noch etwas zu Ihrer Tätigkeit bei der AWO sagen?

Mein Ziel ist, wie schon erwähnt, unseren Mitgliederbestand zu vermehren. Ich möchte an dieser Stelle auch noch einmal für die AWO werben. Man kann schon für 2,50 Euro im Monat Mitglied werden und genießt dafür viele Vergünstigungen. Man kann sich als Mitglied aktiv in unsere Arbeit einbringen oder auch nur zahlendes Mitglied sein und wir bieten unseren Mitgliedern viele interessante Möglichkeiten. So gibt es zum Beispiel: eine Skatgruppe, geselliges Bingospielen, die Modeboutique (dienstags, 16 – 19 Uhr, Reinhold-Voht-Haus), den Bücherbasar mit Modeboutique sowie Flohmarkt und Kaffee und Kuchen (jeden dritten Sonntag im Monat von 10.00 bis 16.00 Uhr, Reinhold-Voht-Haus).
In nächster Zukunft werden wir einen Computer-Kurs für Senioren anbieten.
Ich möchte auch unbedingt unsere Abteilung 10, „Freundeskreis behinderter Menschen", erwähnen, die sehr schöne Freizeitangebote für Menschen mit Behinderung macht. Wir unterstützen auch die Bahnhofsmission oder helfen Flüchtlingen mit Spenden.
Eine komplette Auflistung unserer Angebote findet man in unserer AWO-Infobroschüre, die in den genannten Standorten ausliegt. Die Angebote sind in der Regel nicht kostenfrei, aber für Mitglieder sehr günstig.
Ich wollte auch jeden bitten, der sich von gebrauchten Büchern oder anderen Dingen, die noch zu benutzen sind, trennen möchte, diese nicht zu entsorgen, sondern uns hier in der Osdorfer Straße zu spenden. Wenn der Weg nicht zu weit ist, holen wir die Sachen auch ab.

Liebe Frau Kronheim, wir danken Ihnen für die freundliche Auskunft und wünschen weiterhin viel Erfolg und alles Gute.

Neugierig geworden?
Arbeiterwohlfahrt Berlin, Kreisverband Südwest e. V.
Adresse: Osdorfer Straße 121, 12207 Berlin – Reinhold-Voht-Haus
Telefon: 71 38 70 90/50
www.awo-suedwest.berlin

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